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Zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
der Tendai-Schule

Die Tendai-Schule ist eine der ältesten und kulturell bedeutendsten Schulen des japanischen Buddhismus überhaupt. Ihr Begründer Saicho, Dengyo Daishi genannt (767-822 u.Z.), reiste zu Beginn des neunten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung nach China, um bis dahin in Japan wenig bekannte buddhistische Richtungen direkt bei Meistern und auch aus Schriften kennen zu lernen. In seine Heimat zurückgekehrt, überlieferte er Lehren des Ch´an (Zen), des tantrischen Buddhismus und vor allem der T'ien-t'ai - Lehre des Meisters Chih-i (538 - 597 u.Z.) Sie basiert hauptsächlich auf dem Saddharmapundarika-Sutra (Lotos-Sutra) und den Madhyamika-Schriften Nagarjunas.

Als die Tendai-shu bereits in Japan verankert und eine Mahayana-Ordination eingeführt war, wurden vermehrt Elemente des Vajrayana mit eingebunden, aber auch der Reines-Land-Schulen. Ähnlich wie das Ch´an vom Daoismus geprägt wurde, beeinflusste Shinto, die ursprüngliche naturverehrende Religion Japans, die Tendai-Lehre. Nachdem sie neben Shingon (japanisches reines Vajrayana) den japanischen Buddhismus in der Heian-Periode (794-1190 u.Z.) bestimmte, wurde sie in der nachfolgenden bewegten Kamakura-Periode gleichsam zur Mutter von Rinzai-Zen (Oryo-Schule von Eisai) und Soto-Zen (Dogen), wie auch der Nichiren-Schulen (Nichiren) und mehrerer Reines-Land-Schulen, vor allem der Jodoshu (Honen) und Jodoshinshu (Shinran). Die Begründer der ausgegliederten buddhistischen Richtungen nahmen einzelne Elemente aus der Tendai-Lehre heraus und vervollkomneten sie weiter. Die Tendaishu verfolgt bis heute ihren Weg, verschiedene buddhistische Richtungen in der Verwirklichung der Lehren des Lotussutras im Ekayana ("Weg des Einen Fahrzeugs") zu integrieren - und zwar nicht nur in der Lehre, sondern auch in einer vielfältigen religiösen Praxis. Nachdem die Grundlagen gelegt sind, kann sich jede/r ihrer/seiner persönlich gewählten Praxis widmen.

Die Tendai-Meditationstechnik wird Shi-Kan genannt. Dies entspricht dem chinesischen Chi-Kuan ("Anhalten und Sehen") und der Shámatha (Beruhigung des Geistes) - Vipáshyana (Erkennen der Wirklichkeit) - Methode anderer buddhistischer Richtungen. Letztere besteht aus allgemein im Buddhismus verbreiteten und Tendai-spezifischen Visualisationen und Betrachtungen. Die Praxis des Tendai beinhaltet Mandala-Meditationen, Meditationen im Sitzen und Gehen, Nembutsu-Praxis, Sutren-Rezitationen und buddhistische Gesänge (Shomyo) ebenso wie die Beschäftigung mit esoterischen Ritualen. Weitere buddhistische Wege schulen in buddhistischer Gelehrsamkeit und in der Ausübung religiös bestimmter Künste.

"Nyoirin-An" ist ein kleiner geweihter Tempelraum in einem Privathaus. Unterweisungen und Meditationen mit Rev. Daishin finden bis zur Ausbildung einer Interessentengruppe nach Anmeldung statt. Die Bildung einer deutschen Zweiggemeinschaft (Sangha)des amerikanischen Jiunzan Tendai-ji (Tempels) in Canaan / NY, USA ist angestrebt.
Der Leiter des einzigen zur Verbreitung der Tendai-Lehre im Westen autorisierten Tempels in U.S.A. ist Ven. Reverend Monshin Paul Naamon, der zusammen mit seiner Frau Tamami das angeschlossene Institut leitet. Nachdem er mehrere Jahrzehnte asiatische Philosophie und Meditation studiert hatte, verbrachte er sechs Jahre mit akademischen Studien an der Taisho-Universität in Japan und unterhielt einen dortigen Tendai-Tempel. Rev. Naamon wurde im Enryaku-ji auf dem Hieizan ordiniert, erhielt also eine direkte Übertragung der Tendai-Lehren und wurde zum Linienhalter in der Nachfolge von Ichishima Shoshin Sensei ernannt.
Unter seiner Obhut wird Tendai westlichen Menschen zugänglich gemacht, um einen integrierenden Buddhismus zu erfahren, der unserer Gesellschaft gemäß und für eine nachhaltige Friedensarbeit hilfreich ist. Da die Vorstellung der Tendaishu davon ausgeht, dass zuerst Mitgefühlt aktiv gelebt werden muss, bevor sich Weisheit völlig entwickeln kann, ist ein soziales und gesellschaftliches Engagement eine beachtenswerte Voraussetzung gerade für den heutigen Tendai-Weg.

Eine Sangha (spirituelle Gemeinschaft) bringt Menschen zusammen, um gemeinsam buddhistische Meditationstechniken auszuüben, religiöse Rituale zu praktizieren und Andachten mit Sutrenrezitationen abzuhalten und um sich theoretisch weiter zu bilden, aber auch um religiöse Feste zu feiern und sich gegenseitig im Alltag eine Stütze zu sein. Die Sangha ist das Fundament eines jeden buddhistischen Tempels oder Zentrums. Die Tendai-Gemeinschaft soll für die buddhistischen Weggefährten also auch eine Art soziales Netzwerk ausbilden.

 

   
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